Menschenwürde

Vor einigen Wochen las ich einem Beitrag des Juristen Roman Eichholtz zum Thema „Rechte der Natur“ Es ging dabei um das Verhältnis von Menschenwürde und der Würde der Natur. Er stellt fest, dass der Natur als auch dem Menschen als Teil der Natur eine „Daseinswürde“ zukommen. Dabei stellt sich sofort die Frage, was ist der Unterschied zwischen Menschenwürde und Würde der Natur? Eichholz findet folgende Abgrenzung:

„Menschenwürde ist mehr als ihre vitale Basis, auch nicht Intelligenz, Lernfähigkeit, Empfindungsvermögen oder sonst mit dem Leben selbst verbundene Eigenschaften, die vor allem auch höhere Tiere besitzen. Was – bisher unwiderlegt- allein dem Menschen zukommt, ist die Fähigkeit, das, was er denkt, fühlt oder will, zu reflektieren, ob das, was er denkt, fühlt oder vorhat, Sinn hat -einschließlich der Gewissensentscheidung über Gut und Böse. Dies macht Freiheit und Verantwortung des Menschen aus. In diesem Sinne ist die Menschenwürde einzigartig mit dem Wesen des Menschen verbunden und auch keine bloße Subkategorie der Würde der Natur.“ 

Diese Sichtweise ist uns Christen nicht fremd. Für Eichholtz hat die Menschenwürde auch Konsequenzen, die uns auch sehr bekannt vorkommen: „Sie ist eine dem innersten Wesen des Menschen entspringende unteilbare Haltung, aus eigener Würde die des Nächsten und ebenso die Würde der natürlichen Mitwelt anzuerkennen. Und so wird es zu einer Frage der Würde des Menschen, wie wir mit Mitmenschen, Tieren, Pflanzen und der natürlichen Mitwelt umgehen.“

Das ist ein spannender Aspekt der Menschenwürde, der uns Antrieb sein sollte, einen „würdigen“ Umgang mit der Natur, mit den kommenden Generationen und mit den Armen im eigenen Land und im globalen Süden zu finden. Das Handlungsfeld ist groß, aber es ist noch ganz viel Luft nach oben, wenn ich an unseren Umgang mit Flüchtlingen, unser Konsumverhalten, die Klimakatastrophe, die Massentierhaltung und das Artensterben denke. Und es ist eben eine Frage unserer Würde, wie wir mit diesem Themen umgehen.

Papst Franziskus weist in Laudato Si mehrfach auf diese persönliche Menschenwürde hin und fordert uns in Laudate deum auf, aktiv zu werden: „Ich lade einen jeden ein, diesen Weg der Versöhnung mit der Welt, die uns beherbergt, zu begleiten und ihn mit einem eigenen Beitrag zu bereichern, denn unser Engagement hat mit der persönlichen Würde und den großen Werten zu tun. (LD 69)

Auch wenn die Aufgabe riesig ist, es geht nicht um die großen Lösungen, sondern um unseren Beitrag zur Lösung und um unsere Menschenwürde.

 

Klaus gr. Beilage / Laudato si Osnabrück